„Kunst ist für mich ein Privileg,
ein Segen und eine Erleichterung",
sagte Louise Bourgeois (1911 – 2010).
Kunst war ihr wichtigstes Lebenselixier.
„Das Atelier wird
zur Bühne, zur Orchestra der alten Griechen,
zum Tanzplatz des Chores oder wie im Französischen zum Orchestre,
zum Spielplatz der Musik.
(Prof. Dr. Eugen Blume: In Was ist der Sinn?
Schimansky, Hanns (*1949): Mikrokanonisches Orchester,
Leonhardi-Museum, Dresden, 2014, Seite 4)
„Man malt nie, was man sieht oder zu sehen glaubt.
Man malt mit tausend Schwingungen
den Schlag, den man erhalten hat.
(Stael, Nicolas de (1914 – 1955): Mainpost vom 28.12.2015, Seite 21)"
Arbeitsfassung (Stand 04.03.2025)
Beobachtungen des Nachts – eine Kulturgeschichte vom Transit –
Wie klingt bewegte Farbe im Raum?
Vom Schwebezustand – vom Licht auf der Bühne.
Dieses Buch- bzw. Performanzprojekt findet im Hinblick auf das Zusammenspiel von Bewegung ∙ Farbe ∙ Klang ∙ Raum ∙ Resonanz in einem traum-ähnlichen Zustand, hier genannt Schwebezustand, in den nächsten Jahren statt. Die Antwort sowie die Art und Weise der wissenschaftlichen Auseinandersetzung von diesem Projekt vollzieht sich performativ. Die Performanz: „Und morgen fahre ich in die Frohe Zukunft" mündet 2029 im Festspielhaus Hellerau in Dresden in eine Lecture Performance.
Das Archiv des „Archiv der Avantgarden (AdA)" – Sammlung Mazona – Staatliche Museen zu Dresden (SKD) ∙ weiterlesen und das Archiv der Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK) ∙ weiterlesen, nutze ich. Im Studiensaal des Kupferstichkabinett (KK) ∙ weiterlesen der Staatlichen Museen zu Dresden (SKD) lasse ich mir Orginale vorlegen.
Dem Institut für Elementare Zeichensysteme (gegründet 2008) kommt mit der Erzeugung von elementar-grundlegenden Formen (den typischen Frank-K.-Richter-Hoffmann-Formen - Zitat: Dr. Jördis Lademann) die Rolle zu, Synästhesie zu integrieren und erlebbar zu machen. Das Institut gibt eine innere Ordnung vor, hat einen inneren Gleichklang – gleichwohl das Umfeld manchmal feindlich eingestellt ist – und untersucht die Möglichkeit für Notationsformationen, ich meine farbige Partituren, meiner Zeichensysteme.
Bei dem Herstellen (im Sinne von Hannah Arendt: Vom Leben des Geistes, Das Denken, Kapitel 13: Die Metapher und das Unsagbare, Seite 115ff, Zürich 2008) von farbigen Arbeiten auf Papier wurde mir klar, dass ich hierbei mindestens zwei unterschiedliche Wahrnehmungssysteme bearbeite, die ich während des Entstehungsprozesses gleichzeitig verknüpfe. Zum Einen sind es die äußeren Elemente, die die Realität und die Oberflächen der Dinge verkörpern. Von ihnen gehen Schwingungen und Resonanzen aus. Zum Anderen sind da die inneren Bilder, die aus einem Prozess mit Farbe, Innenraum und Papier mit Hilfe von organischen Mustern - (Zitat: Karin Weber, Galerie Mitte (Dresden) ∙ weiterlesen entspringen. Diese Dualität generiert das Spannungsfeld meines künstlerischen Tuns.
Der Bogen von der gleichzeitigen Wahrnehmung der Sinne vom Außen und zu der gleichzeitigen Manifestation von inneren Räumen in einer Vielzahl von Empfindungen liegt im Rahmen des Möglichen. Es lässt eine Vielzahl von Werken mit folgenden Techniken entstehen: Druckgrafiken, Straßenfotografien sowie malerisch-zeichnerische Impulse auf Papier. Der Werkprozess vollzieht sich an unterschiedlichen Orten, eben von Dresden aus.
Die Spaltung zwischen Außen und Innen ist aufgehoben. Somit übernehme ich die Funktion eines bewegten Beobachters („ ‚the moving observer` Prof. Ulrike Grossarth, in Tagung Theater ohne Fluchtpunkt, 21./22.04.2007, Festspielhaus Hellerau.") Dieser wechselt einerseits zwischen den Resonanzen des Gehirns bzw. der mentalen Vorstellungskraft und anderseits den tatsächlichen Erscheinungen auf dem Papier.
Jedoch gibt es die Unmöglichkeit in der Möglichkeit. Um im Bild zu bleiben, im Sinne nach Walter Benjamin, die Absurdität des Alltags.
Der Synapsen- bzw. Narzissenfriedhof wurde in Küchengesprächen von S. J. (zuerst am 16.01.2018) mit FK. R-H (zuletzt 01.03.2025) im Stadt Riesa thematisiert. Wobei die Funktion des Neuronenfeuerwerk bzw. des Neuronengewitter zu untersuchen bleibt.
In mir keimt eine weitere Frage auf: Wie klingt bewegte Farbe im Raum? Bei diesem Phänomen der bewegten Farbe stelle ich mir eine Resonanz vor, vergleichbar mit dem Licht auf der Bühne – einem inneren Monitor vor. Diesen Bildschirm befrage ich beim Herstellen von Materialitäten.
Ohne bereits eine wirkliche Antwort darauf zu haben, zeige ich mit Hilfe von Beispielen ganz unterschiedlicher künstlerischer Arbeiten (El Lisitzkij: Die Prounenwelt, György Ligeti: Das Clustern oder
Prof. Franz Erhard Walther: Die Gleichzeitigkeit von Handlung und Form beim Hantieren mit Materie und Raum.) ihre Ansätze auf und vergleiche sie mit meinen Methoden, d.h., der poetischen Lebenshaltung.
(Zitat: Prof. Ulrike Grossarth ∙ Fachklasse Künstlerisches Übergreifendes Arbeiten / mixed media, ehemals HfBK Dresden).
„Das heißt, die Klasse widmet sich
der Methodenforschung. Letztlich geht es um die Frage
nach der Lehre selbst, wenn sie als Entwicklung
einer poetischen Lebenshaltung verstanden wird.
(Bippus, Elke und Glasmeier, Michael: Künstler in der Lehre,
Texte von Ad Reinhardt bis Ulrike Grossarth, Fundus 151 Hamburg 2007, Seite 283)"
Ich gebe einen Bogen zum eigentlichen Thema der Arbeit folgender Maßen vor:
Wie entstehen Bewegungsverläufe im inneren System des Menschen und wie manifestieren sich diese Bewegungen der inneren Strukturen im Außen, ob auf dem Papier oder im Raum? Wodurch wird dieser Prozess in Gang gesetzt und wie kann die Wahrnehmung stimuliert werden? Die Aufgabe meiner Arbeit besteht weiter darin, den Bogen von der gleichzeitigen Wahrnehmung der Sinne zum gleichzeitigen Manifestieren der Zustände bzw. Orte zu spannen. Dabei möchte ich nicht aus dem Auge verlieren, dass diese Zustände bzw. Orte des Transits vergleichbar im Sinne von Passage und Durchgang sind. Die Frage nach dem Anfang und nach dem Ende stellt sich hier nicht. Wir befinden uns direkt im Tauchstadium, oder einfacher gesagt: in der Tauchstation, hier die Haltestelle: Dresden-Mitte ∙ weiterlesen, als Basisstation zum Umsteigen und zum Warten.
Deshalb will ich versuchen, mich in das grundlegende Erkennen sowie Begreifen von Welt, anhand von Beispielen zum Thema: Bewegung ∙ Farbe ∙ Klang ∙ Raum ∙ Resonanz und dem Schwebezustand, zu begeben, um konkreter zu werden. Somit stellt sich die Frage nach dem transitorischen Moment (4. - 6. Dimension), mit gleichzeitigem Bewusstsein für Augen-, Bewegungs-, Ohren-, Tast-, sowie Geruchs- und Geschmackssinn.
Wie verknüpfen sich in diesem Zusammenhang der Kulturgeschichte die Synapsen neu und reagieren diese auf das Phänomen der Synästhesie?
Zwei Bildbesprechungen werde ich in meine Arbeit einbinden:
1. Das Reich der Flora, 1630 ∙ weiterlesen
Galerie Alte Meister in der Sempergalerie in Dresden (Nicolas Poussin, 1594 - 1665)
Poussin versammelt in seinem Bild „Das Reich der Flora“ zeitgleich zahlreiche mythologische Gestalten aus Ovids Metamorphosen. Die Personen zeigen ihr Gefühlsleben und leben nach ihrem Tod als Pflanzen - mit ihren ureigenen Personifizierungen - weiter. Es ist ein Reigen, häufig in einer Trias = Leben, Tod und Wiedergeburt, der immer wieder durch die Flora und durch Jahreszeiten angetrieben wird. Mich fesselt die Gleichzeitigkeit von Aufblühen und von Welken: Das Innere verwandelt sich nach ins Außen und umgekehrt.
„ (...) , seine Tränen ließen das Wasser sich kräuseln, und durch
die Bewegung verschwamm die Erscheinung. (...) Statt des Leichnams finden sie
eine safrangelbe Blume, deren Kelch rings weiße Blütenblätter umgeben.
(Naso, Publius Ovidius: Metamorphosen, Auswahlausgabe,
Lateinisch - deutsch (Gerhard Fink), Düsseldorf/Zürich 2002, Seite 141f)"
2. Mädchen in Blau, 1921 ∙ weiterlesen
Galerie Neue Meister im Albertinum in Dresden (Oskar Kokoschka, 1886 - 1980)
Jedoch blieb Kokoschka nach der schmerzlichen Trennung von Alma Mahler ein Suchender. Die Beziehung dauerte nur kurz und intensiv von 1912 – 1914 an. Darauf folgte direkt die nächste traumatische Erfahrung. Kokoschka erlebte den 1. Weltkrieg (1914 – 1918) hautnah, bei dem seine Lunge 1915 stark verletzt wurde.
Nun frage ich mich, wen oder was dieses „Mädchen in Blau" wirklich abbildet? Stellt dieses Bildnis etwa Gitta Wallerstein dar? Es ist davon auszugehen, dass es ein Idealbildnis ist oder mit symbolistischen Strömungen Hand in Hand geht?
Auf der anderen Seite spielt es auch eine Rolle, dass Alma Mahler Angebete und Geliebte war. Sie verführte Kokoschka mit seiner Sehnsucht nach Liebe, Anerkennung, zu dem Unerreichbaren, ins Blau - ins Arkadien, hinüber.
